Die Entstehung
Im Sommer 2005 wurde Thierry Cassegrain der Nachlaß von Amalie Künstler, einer engen Freundin von Marie und Rudolf Steiner, zum Kauf angeboten, darunter auch 280 Quelldokumente (Nachschriften) zu Vorträgen Rudolf Steiners. Das war der erste „Zufall“ wertvoller ursprünglicher Schriften, die um das Wirken Rudolf Steiners herum entstanden.
Er war von der Qualität dieser Nachschriften und den Unterschieden zu den Veröffentlichungen in der Rudolf Steiner Gesamtausgabe so beeindruckt, daß er begann, nach weiteren Nachlässen und Quellen Ausschau zu halten und ein zunächst privates Archiv anzulegen. Er gewann dann recht schnell die Überzeugung, daß er diesen Schatz nicht für sich allein behalten dürfe, sondern der Öffentlichkeit zugänglich machen müsse, und begann mit der Digitalisierung der Dokumente.
Die Spende eines Gönners ermöglichte es ihm, einen Programmierer mit der Erstellung eines Internetarchivs zu beauftragen, das dann 2008 unter dem Namen „uranosarchiv.de“ im Internet veröffentlicht wurde. Einige Freunde stellten ihm dazu weiteres Material aus ihrer Sammlung in digitaler Form zur Verfügung.
Die Publikation dieses Archivs im Internet führte zum Kontakt mit weiteren Interessenten und Unterstützern eines solchen Vorhabens und es entstand bald auch das Bedürfnis nach einer gemeinsamen Kommunikationsplattform, die als geschlossene Yahoo-Gruppe realisiert wurde. Im August 2009 kam es zu einem ersten persönlichen Treffen (eines Teils) dieser Gruppe in Bliestorf.
Bei diesem Treffen wurde dann auch beschlossen, als Träger und Förderer der Internetpublikation des Uranosarchivs und ähnlicher Projekte einen gemeinützigen Verein zu gründen. Nach Prüfung der Rechtslage wurde entschieden, die komplette Vereinskommunikation incl. der Versammlungen der verschiedenen Vereinsorgane online über das Internet abzuwickeln, zumal die Mitglieder der Initiativgruppe weit über Europa verteilt wohnen und persönliche Begegnungen nur sehr eingeschränkt möglich sind.
So wurde am 27. Oktober 2009 der Verein „Uranos – Gemeinschaft zur Förderung geisteswissenschaftlicher Archive und Publikationen e. V.“ in einer Onlineversammlung gegründet. Auf dem Weg zur Eintragung des Vereins und zur Anerkennung des gemeinnützigen Zweckes durch das Finanzamt waren noch viele nicht vorhersehbare Widerstände zu überwinden. Am 20. Mai 2010 wurde der Verein dann endlich eingetragen und konnte seine öffentliche Tätigkeit aufnehmen.
Schon beim Lesen der ersten Klartexte wurde uns bewusst, dass diese Texte anders auf uns wirkten. Die Gestaltung der Sätze, die Wahl der Begriffe ist z. T. anders als in den Texten aus der Gesamtausgabe (GA) Rudolf Steiners, welche die Nachlassverwaltung in fortwährend neuen Auflagen mühsam und peu à peu herausbringt. In der Gesamtausgabe sind viele Begriffe ersetzt, ganze Textpassagen weggelassen oder zugefügt, Sätze umgestellt.
Die Nachlassverwaltung begründet die Veränderungen mit dem Argument, die Vorträge der modernen Sprache anzupassen, um sie allen Menschen verständlicher zu machen. Rudolf Steiner hat jedoch oft betont, dass es bei seinem Vortragswerk nicht allein auf das „Was“, sondern ebenso auf das „Wie“ ankommt, also daß das „Wie-er-es-sagte“ von größter Bedeutung ist.
Fred Poeppig schreibt in seinem Buch „Schicksalswege zu Rudolf Steiner“, Seite 46:
In einem Aufsatz über „Sprache und Sprachgeist“ schildert Rudolf Steiner den Kampf des Geistesforschers mit der Sprache, wenn er versucht, seine Geist-Erlebnisse ihr einzuverleiben. Dieser Kampf kann zu einem befriedigenden Ausgang gelangen, wenn ein lebendiger Verkehr mit dem Sprachgeist gefunden wird. Dann nehmen die Worte etwas Geistiges an: „Sie hören auf zu „bedeuten“, was sie gewöhnlich bedeuten und schlüpfen in das Geschaute hinein… Es nimmt die Sprache einen persönlichen Charakter an, man setzt sich mit ihr auseinander wie mit einem anderen Menschen.“
Auf diesem Wege vollzieht sich eine Neugeburt der Sprache aus dem Sprachgeist heraus. Man erfasst die vor jeder abstrakten Begriffsprägung schöpferisch wirkenden Sprachkräfte, die noch jungfräulicher Natur sind. Das ist der Weg zum Erleben des imaginativen Bildcharakters der Sprache, worin der Sprachgeist als ewiger Proteus schöpferisch wirkt…
Die Idee des Archivs
Das Anliegen des Archivs ist es, die ursprünglichen Schriften und Begriffe Rudolf Steiners zu retten und zu bewahren. Rudolf Steiner wirkte bis tief ins Innere der Menschen, um die Menschheitsentwicklung auf einem heilenden Weg zu begleiten und zu unterstützen.
Nachdem uns weitere bedeutsame Schriften von engsten Mitarbeitern Rudolf Steiners zufielen, wie der verschollene Nachlaß von Mathilde Scholl (in dem einige Schriften von Lilla Harris, Frau Ricardo, Hermann von Baravalle usw. enthalten sind), Teile des Nachlasses von Dr. Oskar Schmiedel, 60 kg Paul Ritter Nachlaß, ein Teil des Nachlasses von Keyserlingk… und 1.500 Seiten der Esoterischen Schule und der F. M., beschlossen wir, ein Archiv zu gründen.
Die Schriften sollten nicht nur uns zum Studium dienen, sondern allen Menschen zugänglich gemacht werden. So entstand das Uranos-Archiv. Vieles wurde von uns über das Internet gekauft, einiges haben wir durch Kauf oder Spende von der Christengemeinschaft in Hamburg, dem Rudolf Steiner Haus in Hamburg, der Steiner Buchhandlung in Hamburg, der Rudolf Meyer Bibliothek in Bremen, weltweiten Antiquariaten und auch Einzelpersonen erhalten.
Ein paar Nachlässe fielen uns zu, als ältere Menschen, die mit der Anthroposophie von Jugend an verbunden waren, ihre Vermächtnisse den Enkeln übergaben, die selbst keinen Zugang zur Geisteswissenschaft hatten und lieber bare Münze auf die Hand wollten. Vieles davon wurde leider auch weggeworfen. Für uns sind die alten ursprünglichen Schriften Steiners wahre Schätze, die wir der jetzigen, aber auch der Nachwelt erhalten und vor dem Untergang retten wollen.
Zeitgleich entstand eine Bibliothek mit Schriften von Anthroposophen, die um und mit Rudolf Steiner weiterforschten und ihre Forschungen niederschrieben. Mittlerweile sind es um die 21.000 Exponate zu allen Themengebieten: Medizin mit Heilmittelforschung, Pädagogik, Landwirtschaft, Eurythmie u. v. a.
Wir erhielten auch hier einige Spenden durch Schulen, Einzelpersonen und andere Institutionen als die oben genannten. Ein herzlicher Dank geht an die AAG Lübeck, AAG Schloß Hamborn, Christengemeinschaft Lübeck, Herr und Frau Winkler Aus Lübeck und besonders Christoph Möllmann, Schloß Hamborn, die uns zuletzt reich beschenkten.
Unser Vorhaben
Gegenwärtig befinden sich die Schriften in Bliestorf und sind für jeden zugänglich.
Wir freuen uns, wenn Sie unser Vorhaben bekannt machen und auf diese Weise das Archiv ebenfalls unterstützen. Wir kaufen jede Art von älteren Schriften von Rudolf Steiner und Pionieren der Anthroposophie, wie z. B. Stenogramme, Klartexte, maschinengeschriebene Vorträge, Mitschriften, Abschriften, Fotos, Postkarten, Notizen, Telegramme, ältere Bücher, anthroposophische Kunst… Wir veröffentlichen auch gern Schriften, die sich in Ihrem Besitz befinden.
Wir brauchen Mitarbeiter für z.B. Recherche, Aufbereitung (Scannen, Tippen, Korrekturlesen usw.) und Öffentlichkeitsarbeit. Weiterhin suchen wir Nachlässe von Anthroposophen, Bücher, Manuskripte, Typoskripte, Abschriften, Klartexte, Stenogramme, Fotos, Postkarten, Korrespondenzen, Zeitschrift, eintrittskarten, Programmne, Plakate, Kunstgegenstände, Copyrightschenkungen ect…. Bitte setzen sie sich mit uns in Verbindung: uranosarchiv.de(at)proton.me.